Home Blog News Was bewegt die Kunstwelt #10 (22.07.-04.08.14)

Was bewegt die Kunstwelt #10 (22.07.-04.08.14)

Visualleaders Reportage - Eskildsen
Joakim Eskildsen, »Eine Rückkehr zu den Kindern«, Geo Nr. 11. Nominiert in der Hauptkategorie Fotografie, Reportagefotografie. © Joakim Eskildsen

Bei der Auswertung der Kulturnachrichten der letzten Monate ist uns aufgefallen, dass Betrug, Raubkunst, Fälschungen und Korruption einen auffallend großen Teil einnehmen. Immer öfter lesen sich die Feuilletons wie Kriminalromane: Vom „Fall Gurlitt“ ist da die Rede, dem „Fall Beltracchi“, der „Causa Burgtheater“ und neuerdings der „Achenbach-Affäre“. Skandale verkaufen sich gut und finden oft ein großes Publikum. Da wundert es auch nicht, dass die Schnapsidee von drei Künstlern in Düsseldorf die Feuilletons der letzten Tage bestimmt hat.

Aktuelles aus der Kunstwelt

„Die Rede über Kunst ist nicht überflüssig geworden, weil es angeblich keine saubere Kunstdarbietung mehr gibt“

Auch Hans-Joachim Müller kritisiert, dass vermehrt schlechte Nachrichten zu lesen sind und vor lauter Skandalen Kunst und Künstler vergessen werden. Erzählt werde nur noch von der großen Sause, die immer ausgelassener wird. Die Gründe von Kunst und Künstlern zu erzählen, scheinen allzu oft vergessen – die Kunstkritik kapituliere. In der Welt fordert Hans-Joachim Müller deshalb eine Rückbesinnung auf die wahren Werte der Kunst und bezieht mit seiner Kampfschrift Stellung gegen das Misstrauen in den Kunstbetrieb. Wir können ihm nur beipflichten.
www.welt.de

Revolution durch 3D-Scanns von Skulpturen?

Das Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung hat für das Frankfurter Liebieghaus ein Verfahren entwickelt, das in wenigen Minuten eine Plastik in ihrer Dreidimensionalität und in höchster Auflösung erfasst. Dazu werden die Objekte auf einer Art Fließband durch eine Scanstraße bugsiert, wo bis zu 80 Aufnahmen gemacht werden. Am Computer werden diese Aufnahmen zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt.

In diesem neu entwickelten 3D-Scanner sieht Vinzenz Brinkmann (Leiter Antikensammlung, Liebieghaus) eine Revolution für die Dokumentation und Erforschung von Kulturgut, wie er in einem Video der SZ erzählt. Hubertus Kohle (LMU München) sieht in der nun besseren Reproduzierbarkeit vor allem die Chance, dass der Skulptur nun endlich der Rang in der Kunstgeschichte zu Teil wird, der ihr historisch und ästhetisch zukommt. Er sieht aber auch die Gefahr, dass die gescannten Skulpturen mittels 3D-Druckern so wieder ausgedruckt werden können, dass selbst Experten Probleme haben werden, Original und Reproduktion zu unterscheiden. Steht dem Kunstmarkt eine Revolution bevor?
blog.arthistoricum.net

Fetteckenschnapps – Wie Joseph Beuys zu einem Geist wurde

Für einen Streit mit Eva Beuys und ein großes Medienecho sorgte eine Aktion von drei Künstlern in Düsseldorf, die aus den Resten einer berühmten Fettecke von Joseph Beuys Schnaps gebrannt haben. Markus Löffler, Andree Korpys und Dieter Schmal haben im Düsseldorfer Museum Kunstpalast aus über 30 Jahre alten Margarineresten zunächst 80-prozentigen Alkohol hergestellt und dann auf etwa vier Liter trinkfähige 50 Prozent herunterverdünnt. Daraus entstand eine Edition von 16 Flaschen.

Die Reste der Fettecke stammen von dem ehemaligen Beuys-Schüler Johannes Stüttgen, der das Stück retten konnte, als 1986 eine große Fettecke in der Düsseldorfer Kunstakademie vom Hausmeister zerstört wurde. Eva Beuys bezeichnete die Aktion als „unglaubliche Unverschämtheit“ und sah das Urheber-Persönlichkeitsrecht ihres verstorbenen Mannes verletzt. Das Etikett der Flaschen würde den Eindruck erwecken, als handle es sich um ein Beuys zuzurechnendes Objekt. Beide Seiten konnten sich außergerichtlich auf eine Änderung der Angaben auf dem Etikett einigen: Nun heißt es nicht mehr „Joseph Beuys, Reste einer staatlich zerstörten Fettecke“, sondern „Geist. Reste der zerstörten Fettecke von Joseph Beuys“. Na dann Prost!
www.spiegel.de

Neue Publikationen


Dramaturgie in der Ausstellung. Begriffe und Konzepte für die Praxis

Ausstellen heißt: Geschichten im Raum erzählen. Dieser Band lädt Fachleute zum genreübergreifenden Austausch ein: Wodurch zeichnet sich eine gelungene Ausstellungsdramaturgie aus? Was können Ausstellungsmacher von Dramaturgieprofis aus Theater, Film und Werbung lernen? Wo liegen die Grenzen des Storytelling in der Ausstellungsarbeit? Und wer ist für die Dramaturgie in Ausstellungen verantwortlich?
 
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Aktuelle Ausstellungen

Visualleader 2014. Das Beste aus Zeitungen, Zeitschriften und Internet

Hamburg, Deichtorhallen, Haus der Photographie, 26.07. – 05.10.2014
Seit über 20 Jahren zeichnet die LeadAcademy herausragende Leistungen der Medien,- Fotografie- und Werbebranche mit den LeadAwards aus. Die prämierten Arbeiten werden auch in diesem Jahr im Haus der Photographie vorgestellt. Gezeigt werden innovative, beispielgebende Fotos, Magazinbeiträge, Websites und Werbekampagnen. Das Beste, was in den letzten 12 Monaten in deutschen Zeitschriften, Zeitungen und Online-Medien publiziert wurde.
www.deichtorhallen.de

Menschliches, Allzumenschliches

München, Lenbachhaus, 22.07.2014 – 31.12.2015
Zutiefst erschüttert von den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs distanzierten sich viele Künstler von den formalen Experimenten der Avantgarde wie Kubismus, Expressionismus und Abstraktion und konzentrierten sich auf eine nüchternrealistische Wiedergabe der Wirklichkeit. Im Zentrum der Neupräsentation des Lenbachhauses steht die „Conditio Humana“, das Menschenbild. Porträts und Analysen der Befindlichkeit des Einzelnen stehen neben Darstellungen von typischen Vertretern der Epoche. Sozialkritische Positionen treffen dabei auf Werke, die affirmativ dem Zeitgeist folgen und ab 1933 mit der nationalsozialistischen Kunstpolitik konform gehen.
www.lenbachhaus.de

Walker Evans. Ein Lebenswerk

Berlin, Martin-Gropius-Bau, 25.07. – 9.11.2014
Walker Evans (1903 – 1975) gehört zu den großen Persönlichkeiten der Fotografiegeschichte des 20. Jahrhunderts. Er erlangte erstmals öffentliche Aufmerksamkeit mit seiner Dokumentation der Armut im Amerika in den Zeiten der Großen Depression, die am 29. Oktober 1929 mit dem Schwarzen Freitag begann und die 1930er Jahre dominierte. Bis heute ist die Rezeption seines Werkes eng mit diesen in den 1930er Jahren entstanden Fotografien verbunden. Die Ausstellung zeigt mit weit über 200 Originalabzügen aus den Jahren 1928 bis 1974 sowohl die Ikonen seines Werkschaffens als auch bisher selten veröffentlichte Fotografien.
www.berlinerfestspiele.de

Andreas Gursky | Neo Rauch | Jeff Wall

Hannover, Kestnergesellschaft, 25.07. – 26.10.2014
Drei der bedeutendsten Künstler der Gegenwart treffen in der kestnergesellschaft zum ersten Mal aufeinander: die Fotokünstler Andreas Gursky (*1955), Jeff Wall (*1946) und der Maler Neo Rauch (*1960). Querverbindungen in ihrem umfangreichen Schaffen bilden den Ausgangspunkt für diese ungewöhnliche Zusammenführung. An ausgewählten Werken wird deutlich, wie die drei Künstler in je eigenen Ansätzen an die Tradition des figurativen Bildes anknüpfen, diese entscheidend weiterentwickeln und aktualisieren.
www.kestnergesellschaft.de

Netz. Vom Spinnen in der Kunst

Kunsthalle Kiel, 28.07. – 16.11.2014
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Idee des Netzes: Die ausgestellten Werke zeigen natürlich gesponnene Spinnennetze, verknüpfe Begriffe und Daten in Diagrammstrukturen oder arbeiten mit den flexiblen Daten des Internets. Netzstrukturen verbinden Bilder, Texte und akustische Signale miteinander. Sie sind ständig in Bewegung und wesentlicher Bestandteil der globalisierten Welt. Naturwissenschaftlich-mathematische Fragestellungen, kreative Formen von Codierungen und kartographische Visualisierungen spielen ebenso eine Rolle wie die sozial-politischen Dimensionen von Netzwerken.
www.kunsthalle-kiel.de

Krieg der Geister. Weimar als Symbolort deutscher Kultur vor und nach 1914

Neues Museum Weimar, 01.08. – 09.11.2014
100 Jahre Erster Weltkrieg: Die Jahresausstellung der Klassik Stiftung Weimar wird diese „Urkatastrophe“ des 20. Jahrhunderts und die ihr vorausgehenden ideologischen Kontroversen beleuchten. Im Fokus stehen Weimar in der Zeit von 1900 bis 1918 und seine besondere Rolle als „Identifikationsort der deutschen Kultur“. Die kulturhistorisch angelegte Ausstellung zielt auf ein Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven. Sie unterlegt diese Kunst-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte mit Zeugnissen der Zeit: von Gemälden, Graphik, Plakaten, Fotografien über architektonische und plastische Arbeiten bis hin zu literarischer Propaganda, öffentlichen Aufrufen und Feldpostsendungen.
www.klassik-stiftung.de

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Ruhrtriennale 2014

15.08. – 28.09.2014 / Bochum, Duisburg, Essen, Gladbeck
Die Ruhrtriennale ist das internationale Festival der Künste in der Metropole Ruhr. Schauplätze der Ruhrtriennale sind die einzigartigen Hallen und Räume der Industriekultur im Ruhrgebiet – die Jahrhunderthalle Bochum, der Landschaftspark Duisburg-Nord, die Zeche Zollverein in Essen oder die Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck –, die in spektakuläre Aufführungsorte für Musik, Theater, Tanz und Bildende Kunst verwandelt werden.
www.ruhrtriennale.de

Haben Sie das gesehen?

Das Holocaust-Mahnmal bröckelt

Der Beton sollte ewig halten. Architekt Peter Eisenman begeisterte sich für „den besten Beton, den ich je in Berlin gesehen habe“. Doch der größte Teil der Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals ist marode.
www.ardmediathek.de

Der Fall Gurlitt – Was hat die Kunstgeschichte daraus gelernt?

Videomitschnitt der Podiumsdiskussion vom 04.07.2014 in Bonn, bei der kritisch und selbstkritisch danach gefragt wurde, wie das Fach Kunstgeschichte angemessen auf die zahlreichen Fragen reagieren kann, die der Fall Gurlitt aufgeworfen hat.

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