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„Moby Dick“ – Michael Beutler transformiert den Hamburger Bahnhof

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Michael Beutler, Moby-Dick, Hamburger Bahnhof, Berlin
Michael Beutler: Moby Dick, 2015. Ansicht Ausstellungsaufbau Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin. © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Thomas Bruns

Alles ganz schön zugebaut hier! Unter dem Titel „Moby Dick“ hat Michael Beutler die 2000 Quadratmeter große Fläche der Historischen Halle des Hamburger Bahnhofs in einen labyrinthischen Parcours verwandelt. Der in Berlin lebenden Künstler greift in die Architektur des Museums ein und provoziert Fragen nach der Funktion und Bedeutung von Raum, nach der Zeitlichkeit von Skulptur sowie nach Arbeitsformen in der Kunst.

Ausgangspunkt für die skulpturalen Eingriffe des Künstlers ist die zentrale Halle des Hamburger Bahnhofs mit ihrer markanten Eisenskelettkonstruktion. Beutler nimmt die vorhandenen Strukturen der Architektur auf und verwandelt sie zu installativen Bauten. Er nimmt Bezug auf die Geschichte des Gebäudes, insbesondere indem Formen aufgegriffen werden, die Zeugnis der originalen Bahnhofsarchitektur sind. So wirft er die Frage auf, welche Spuren von der ursprünglichen Nutzung des Gebäudes heute noch greifbar sind.

Michael Beutler: Moby Dick, Ausstellungsaufbau im Hamburger Bahnhof, Berlin
Michael Beutler: Moby Dick, 2015. Ansicht Ausstellungsaufbau Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin. © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Thomas Bruns

Mit selbst kreierten Maschinen produziert Beutler Bauelemente, die er zu fragilen Architekturen zusammensetzt. Er verwendet industriell hergestellte oder bearbeitete Materialien wie Holz, Plastik, Gips und Papier. Das wichtigste Material seiner Installationen ist jedoch Pecafil, ein Metallgitter, das mit einer transparenten Plastikfolie bezogen ist und normalerweise zur Schalung von Fundamenten verwendet wird. In der Berliner Ausstellung hat Beutler die Folie mit einer milchig weißen Gewächshausfarbe bemalt. Das Material verweist mit seiner Rasterstruktur auf Glasarchitekturen, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts populäre öffentliche Architekturen wie Bahnhöfe, Weltausstellungspavillons oder die ersten großen Einkaufsgalerien in Mailand oder Neapel kennzeichneten.

Michael Beutler, Portrait
Michael Beutler. Portrait. © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Thomas Bruns

Der 1976 in Oldenburg geborene Künstler studierte von 1997 bis 2003 an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Thomas Bayrle und von 2000 bis 2001 an der Glasgow School of Art. „Michael Beutler ist alles, was man in der Regel so über ihn sagt“, so die Kuratorin Melanie Roumiguière. „Er ist Erfinder, Ingenieur, Initiator, Baustellenleiter, Kapitän, Vorarbeiter und Handwerker. Er ist erfahrener Künstler und immer auch Amateur.“ Seine künstlerische Produktion bewegt sich in den Feldern von Skulptur, Rauminstallation und Architektur. Er beschäftigt sich mit architektonischen Strukturen und Räumen und sucht nach Möglichkeiten, diese umzuwandeln. Einen Einblick in seine Arbeitsweise erhält man im „Haus Beutler“ am Ende der Ausstellungshalle. Auf circa 80 Quadratmetern werden Modelle, Arbeits- und Materialproben, Zeichnungen sowie Fragmente älterer Installationen und drei Video-Loops präsentiert, die Dokumentationen vergangener Projekte zeigen.

Die Ausstellung im Hamburger Bahnhofs ist keine statische Präsentation, sondern vielmehr eine experimentelle Schau. In mehreren „Bauphasen“ werden Bestandteile der Installation während der Laufzeit umgebaut oder Elemente ergänzt. Wie sich die Ausstellung verändern wird, ist zum Zeitpunkt der Eröffnung noch nicht zu erahnen.

Michael Beutler, Moby-Dick, Hamburger Bahnhof, Berlin
Michael Beutler, Moby Dick, 2015, Ansicht Ausstellungsaufbau Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Thomas Bruns

Michael Beutler. Moby Dick
17.04. – 06.09.2015
Berlin, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart
www.michaelbeutlerinberlin.de

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